Illegales Streaming in der Schweiz: Schätzungsweise 634’000 Menschen nutzen nicht autorisierte IPTV-Angebote
Eine neue Studie im Auftrag der Audiovisual Anti-Piracy Alliance (AAPA) zeigt, dass rund 634’000 Menschen in der Schweiz illegale Streaming-Angebote nutzen – mit erheblichen Folgen für Konsumenten, Clubs, Ligen, Sender, Rechteinhaber und Medienunternehmen.
Illegales Streaming ist in der Schweiz zu einem bedeutenden Phänomen geworden. Laut einer neuen Studie im Auftrag der Audiovisual Anti-Piracy Alliance (AAPA) nutzen schätzungsweise 634’000 Menschen in der Schweiz illegale IPTV-Angebote. Das entspricht 9,4 % der Schweizer Bevölkerung im Alter von 16 bis 74 Jahren und liegt damit leicht über dem europäischen Durchschnitt von 8,9 %.
Illegale Streaming-Angebote können Konsumentinnen und Konsumenten Betrug, Phishing, Schadsoftware und dem Missbrauch persönlicher Daten aussetzen. Untersuchungen der AAPA haben die mit audiovisueller Piraterie verbundenen Cyberrisiken aufgezeigt. Illegale Streaming-Aktivitäten stehen zudem oft mit organisierter Kriminalität in Verbindung, darunter Betrug und Geldwäscherei. StreamSafe will auf diese Risiken aufmerksam machen und Konsumentinnen und Konsumenten jeden Alters dazu ermutigen, beim Geniessen ihres Lieblingssports und ihrer Unterhaltungsinhalte sichere und legale Angebote zu wählen.
Junge Menschen sind besonders gefährdet
Besonders auffällig sind die Zahlen bei den jüngeren Menschen. Schätzungsweise 153’000 Personen in der Schweiz im Alter von 16 bis 24 Jahren nutzen nicht autorisierte IPTV-Angebote. Das entspricht rund 18,5 % dieser Altersgruppe und ist damit fast doppelt so hoch wie der Schweizer Durchschnitt von 9,4 %.
Junge Menschen können für Anbieter illegaler Streaming-Angebote besonders attraktiv sein: Sie sind stark digital vernetzt, über Online- und Social-Media-Kanäle leicht erreichbar und verfügen oft nur über ein begrenztes Budget. Diese Kombination kann sie besonders anfällig für Angebote machen, die vordergründig attraktiv erscheinen, weil sie günstigen oder gar kostenlosen Zugang zu Inhalten versprechen.
Dieser vermeintliche Vorteil drängt die effektiven Gefahren in den Hintergrund. Junge Nutzerinnen und Nutzer machen sich möglicherweise wenig Gedanken darüber, wer hinter einem illegalen Streaming-Angebot steckt, wohin ihre persönlichen Daten gelangen oder was mit Passwörtern, Zahlungsinformationen und anderen privaten Daten geschehen kann, sobald sie diese einem unbekannten Anbieter übermitteln.
Wirtschaftliche Folgen
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Die legitimen kommerziellen Anbieter audiovisueller Inhalte und von Pay-TV in der Schweiz verlieren durch illegale Streaming-Angebote schätzungsweise 75,8 Millionen Euro an potenziellen jährlichen Einnahmen.
Illegales Streaming auch in Europa ein wachsendes Problem
Die Schweiz ist Teil eines deutlich grösseren europäischen Trends. Die Zahl der Menschen, die in der EU, im Vereinigten Königreich und in der Schweiz illegale IPTV-Angebote nutzen, ist von rund 13,7 Millionen im Jahr 2018 auf 34,4 Millionen im Jahr 2025 gestiegen – ein Anstieg von 151 %. Im Vergleich zu 2021 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.
Gleichzeitig ist illegales Streaming zu einem äusserst lukrativen Geschäft für die kriminellen Anbieter geworden. In Europa erreichten die Einnahmen aus illegalen IPTV-Angeboten 2025 rund 2,6 Milliarden Euro. Legitime Pay-TV-Anbieter erlitten gleichzeitig geschätzte Einnahmeverluste von 5,84 Milliarden Euro.
Methodologie der Studie
Die Studie wurde von Gobelin House SLU im Auftrag der AAPA erstellt und baut methodisch auf früheren Untersuchungen des European Union Intellectual Property Office (EUIPO) sowie der AAPA auf. Sie untersucht 38 Volkswirtschaften in Europa, dem Westbalkan, Türkei und Nordafrika.
Bei den Ergebnissen der AAPA-Studie handelt es sich um Schätzungen, die verschiedene Datenquellen miteinander kombinieren. Für die Berechnung der Nutzung nicht autorisierter IPTV-Angebote werden unter anderem Daten zur Nutzung von Internet-TV und zur Nutzung illegaler Online-Quellen herangezogen. Für die Schweiz nutzt die Studie Daten des Bundesamts für Statistik; da keine eigene Schweizer Piraterie-Rate vorliegt, wird dafür der EU27-Durchschnitt aus EUIPO-Daten verwendet.
Die AAPA-Zahl umfasst nicht autorisierte IPTV-Angebote und berücksichtigt dabei nicht die zahlreichen Menschen, die kostenlose illegale Streaming-Angebote nutzen. In der Schweiz liegt die Gesamtzahl der Personen, die raubkopierte audiovisuelle Inhalte konsumieren, daher schätzungsweise deutlich über einer Million.
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